“Alle sind glücklich. Entsprechender Applaus.”
Stefan Arndt | HAZ, 4.4.2012”
5x filme
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Zusammen! - Lukas Moodysson
“Kinofilm im Theater
Erfolgreiche Premiere für „Zusammen!“ im Ballhof
Von Stefan Arndt | HAZ
Das Leben in einer WG der siebziger Jahre ist Thema des Films „Zusammen!“, der nun als Bühnenversion beim Jungen Schauspiel zu sehen ist. Am Ende gibt es Suppe auf dem Ballhofplatz für Zuschauer und Schauspieler – und alle sind glücklich.
Hannover. Natürlich der Abwasch. Geht es um das Leben in der WG, dauert es nicht lange, bis die Rede darauf kommt. Auch im hannoverschen Ballhof Eins, den Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit kaum mehr als ein paar Teppichen und Kissen in eine Kommune verwandelt hat, sorgt dieses Thema schnell für dicke Luft.Dabei wärmt das Ensemble in der Bühnenküche nicht nur die dünne Suppe auf, die am Ende an die Zuschauer verteilt wird, sondern auch jede Menge Klischees aus der Gründerzeit der Wohngemeinschaften. Das Überraschende dabei: Beides schmeckt hervorragend.
Regisseur Florian Fiedler, Leiter des Jungen Schauspiels, hat zwei unterhaltsame Geschichtsstunden angerichtet. Man kann schon etwas von der sozialen Abenteuerlust ahnen, die die Figuren dieser modernen Siebziger-Jahre-Geschichte antreibt, wenn man nur den Raum betritt. Es gibt Musik, bunte Farben und eine ungewohnte Sitzordnung mit – natürlich – freier Platzwahl. Leichter als hier kommt man mit seinen Sitznachbarn nicht ins Gespräch. Zwar muss man im Laufe des Abends ab und an zur Seite rücken oder Parolen skandieren, aber richtig unangenehm wird das nicht. Regisseur Fiedler weiß, wo die Schmerzgrenzen liegen.
Darum kann er sie auch einmal überschreiten. Als einer der putzigen WG-Bewohner das Putzige abstreift und sich radikalisiert (was sich dann in der Verbrennung eines Zehn-Euro-Scheins äußert), rutschen einige Zuschauer von seiner direkten Ansprache unangenehm berührt auf ihren Sitzen herum.
Als Nachgeborener lernt man auf diese Weise beeindruckend beiläufig Humor und Härte kennen, die beide neuen Lebensentwürfen innewohnen können. Und natürlich geht es auch um das alte Thema Liebe: um die zerbrochene, um die frische – und vor allem um die mögliche Liebe. Das lebensnah heterogene Ensemble spielt all das mit Verve und Witz. Sebastian Schindegger etwa wirkt als hilfloser Gutmensch so, als habe er nie etwas anders getragen als seine fabelhaft ideologische Strickjacke (Kostüme: Selina Peyer), und Julia Schmalbrock kann als Vielleicht-Lesbe nicht nur ihren Körper bemerkenswert dehnen (Meditation!), sondern auch ihre Gefühle.
So geht es in „Zusammen!“ auf unterschiedliche Weise um die große Sehnsucht. Die klischeehafte Nostalgie der Handlung ist nur ein Fortbewegungsmittel auf dem Weg dahin. Und dieser eröffnet sich am Ende auch tatsächlich: Die Tür zum Ballhofplatz, der bisher nur in den Livevideos von Bert Zander zu sehen war, ist weit aufgestoßen, Publikum und Schauspieler strömen gemeinsam hindurch ins Freie. Und irgendwie hat man dabei das Gefühl: Alle sind glücklich. Entsprechender Applaus.
Stefan Arndt | HAZ, 4.4.2012” -

Das Fest - Thomas Vinterberg
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I Hired a Contract Killer - Aki Kaurismäki
“Lohnnebenkotzen
Je nachdem, wo in den auf drei Hauptblöcke verteilten Sitzreihen man sich platziert hat, ist man in der weitläufigen Halle der Schmidtstraße weit entfernt von einzelnen Szenen. Dafür bringt Fiedler die begleiteten Geräusche bis hin zum Klicken eines Feuerzeug mittels Kopfhörer umso näher – auch so lässt sich Stimmung erzeugen.
(…) Dafür bekommt man vom jungen Regisseur eine Inszenierung, die Kaurismäki- Schwere durch erstaunliche Leichtfüssigkeit ersetzt und also etwas ganz eigenes schafft, die zudem eine auf dem Theater äußerst rar gewordene Qualität hat: sie nimmt sich Zeit und das auch noch an den richtigen Stellen.Fiedler setzt in der so schwierigen Szene, in der Henry und Margaret sich Knall auf Fall verlieben müssen, ganz auf die Verführungskraft von Bewegung. Seine Margareth tanzt sich ins Herz des sie still beobachteten Henry, aber nicht auf eine herkömmliche Art, sondern mittels zarten Staksens, auf Zehenspitzen Balancierens, die dünnen Beine Verknoten. Und man versteht sofort: diese Frau hat schon ein Schicksal gehabt. Irene Klein, keine Schauspielerin, aber lange Jahre in Forsythes Frankfurter Ballett ist Margareth und Fiedler nutzt ihre Möglichkeiten optimal.
Die anderen dürfen immer wieder mal richtig auf die Sahne hauen, aber auch der Klamauk hat in dieser Inszenierung eine schöne Geradlinigkeit. Und eine hohe Trefferquote. Ab nun Abak Safaei-Rad, die Entlassung Henrys mit “Raubkopierern” und “Lohnnebenkotzen” (sic!) begründet, Andreas Leupold gedankenvoll durch die Halle wandert um einen festen Halt zu finden für den Strick um seinen Hals (…) es ist kein Amüsement unter Niveau. Keine Aktualisierung auf Teufel komm raus, die ganze Halle wird zur Fiedlers Spielwiese.”
Sylvia Staude, FR, 22.11.2005
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Dear Wendy - Thomas Vinterberg
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Fahrenheit 451 - Ray Bradbury