Theater wie im Rausch.

Stefan Gohlisch, Neue Presse Hannover

Fiedlers Regie ist zugleich präzise im Umgang mit dem Stück und offen für die Gegenwart, zugleich entspannt und gespannt, direkt und subtil.

Peter Michalzik, Frankfurt Rundschau

13x klassiker

  • Clavigo - Goethe

  • Volksfeind - Ibsen

    "Stadelmann ist genau das, was ein Schauspieler in einer solchen Rolle sein muss: schamlos, wütend, raum- und besitzergreifend, anmaßend." Fiedlers Regie sei "zugleich präzise im Umgang mit dem Stück und offen für die Gegenwart, zugleich entspannt und gespannt, direkt und subtil. (...)  Das Beste aber ist, dass Ibsens einfache Frage – sind wir nun ein verrottetes Gemeinwesen oder nicht? – hier so einfach und heftig und deutlich und ungelöst im Raum steht. Schön, müsste man fast sagen." Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau

    Im ersten Moment wirke die Inszenierung, schreibt Jürgen Berger (Süddeutsche Zeitung, 29.12.2007), "als habe Regisseur Florian Fiedler sich verängstigt in die rechte Ecke des leeren Raums zurückgezogen, um sich dort ein Krippenspiel für Alt-Hippies zu leisten". Interessanterweise entpuppe sich Fiedler "dann aber doch ganz plötzlich als zupackender Regisseur und hat in Aljoscha Stadelmann einen Badearzt, der den Stockmann gegen den moralinsauren Strich bürstet". Das habe "Klasse". Zudem entwickle sich der Abend "zu einem veritablen Kräftemessen mit dem Publikum als Spielball": Hier ein Badearzt, "der aus der unterhaltungssüchtigen Masse da unten Attac-Demokraten machen möchte" und dort "die Honoratioren des Kurstädtchens, die sich lässig Instrumente umschnallen und den Protest des außerparlamentarischen Stockmann im Popkonzert ertränken". Das Frankfurter Schauspiel lasse "die Muskeln spielen".

    Als des Berliner Theatertreffens würdig bewertet Klaus Stübler in den Ruhr Nachrichten (14.1.2018) Fiedlers "Volksfeind". Hervorhebenswert findet er am Oberhausener Update der Inszenierung aus dem Jahr 2007 nicht nur den Genderaspekt, sondern auch die Gleichrangigkeit der Gebrüder Stockmann: Clemens Dönicke spiele einen "ruhig-nachdenklichen Badearzt, dem man seine grundehrliche Haltung abnimmt, ihn aber auch als Träumer abtun könnte". Jürgen Sarkiss als Bruder Peter im Amt des Bürgermeisters gebe den "coolen, subtilen Demagogen ab, der es versteht, die Leute für dumm zu verkaufen".

    Ibsens "Volksfeind" sei in Oberhausen "auf eine sehr packende Art und Weise aktualisiert worden", sagt Stefan Keim im Gespräch für die Sendung "Mosaik" auf WDR 3 (13.1.2018). Als seltenen Glücksmoment des Stadttheaters hebt der Kritiker das zentrale Rockkonzert hervor, eine "Manipulation der abgefeimtesten und opulentesten Art", in der sichtbar werde, "wie wir alle vom Entertainment an der Nase rumgeführt werden". Mit diesem Abend habe Oberhausen nach anfänglichen Startschwierigkeiten der neuen Intendanz nun "wirklich geliefert, und ich hab die große Hoffnung, dass es jetzt richtig losgeht", sagt Keim.

    Besetzung

    Besetzung Oberhausen

  • Amphitryon - Kleist

    Der Mensch ist auch nur ein Gott

    Der immer noch junger, aber mittlerweile zu einem Könner gereifte Regisseur, Florian Fiedler führt patriotisches Liedgut, politische Reden und Scheinwerfer ins Feld bei Theben um diese Aufführung im Hier und Heute zu verankern (…) Alles einfach und gut gemacht, alles zurückhaltend heutig. (…)

    Fiedler und seine beiden Götter gleich machen da Voll mit, die Aufführung wird immer mehr das reinste und aller normalste Kammerspiel und siehe – es funktioniert.

    Man braucht schon eine Menge Mut, dieses schwebende Stück in Frankfurt großem Haus aufzuführen, indem auch größere Dramen schon ohne weiteres weggesuppt sind. Fiedler und seine Bühnenbildnerin Maria– Alice Bahra meistern das bewundernswert.
    Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau, 22. September 2008

    Sabine Waibel spielt Alkmene wunderbar stark, zerbrechlich und bezaubernd. Wie Stadelmann gibt Sebastian Schindegger (Sosias) eine seiner tollsten Darbietungen am Schauspiel, und nicht nur weil Christian Kuchenbuch ihm als Merkur entsprechend viel abfordert, ja den “entsosiasten” Sosias sogar als Guantanamo Häftling demütigt. An guten Regie Einfällen hat es Fiedler noch nie gefehlt.
    Markus Hladek, Neue Presse, 22. September 2008

  • Ein Sommernachtstraum - Shakespeare

    “Wie leicht das ist, und wie schnell das geht: Puck, ein Hipster im Bademantel, gibt ein Zeichen und schon singen die Zuschauer mit. Der ganze Saal schwelgt in “Guten Abend, gute Nacht“ im Schauspielhaus. Zwei Strophen und schon ist man bereit für die Nachtgestalten im Theaterzauberland. Und noch kein Wort von Shakespeare ist gefallen. Das ist verblüffend. Wie vieles an dieser wunderbar leichten, aber doch gewichtigen Inszenierung von Florian Fiedler verblüffend ist.
    Fiedler nimmt das Stück ernst, aber er spielt auch viel Eigenes. Er übertreibt das Übertreibungsspiel noch, findet lauter witzige Neben- und Zwischenspiele und präpariert den Kern der Sache doch ganz hervorragend heraus. (…)

    Die Handwerker sind überaus komisch, sie wollen ausdrücklich Zeitgenössisches Theater, so nennt sich der begabteste Akteur denn auch “Zettel der Performer“.

    (…) Großartig sind die Liebespaare, erzählen mit großem Ernst und erheblicher Wut von den Qualen, die die Liebe bereiten kann.

    (…) Regisseur Florian Fiedler malt das Stück nicht in Pastelltönen nach. Er trägt dick mit die Ölfarbe auf, (…). So treibt er das Spiel mit der Zauberblume noch ein bisschen weiter als üblich. Bei ihm entbrennt die Liebe auch mal innerhalb der Geschlechtergrenzen: Demetrius verguckt sich in Lysander. Das steht nicht bei Shakespeare, hätte aber bei ihm stehen können. (…)

    Der Sommernachtstraum ist ein ungeheuer elastisches Stück - und Fiedler nutzt das klug aus. So werden die Zuschauer mehr als zwei Stunden lang (ohne Pause) bestens unterhalten.”
    Ronald Meyer - Arlt, HAZ, 20.01.2014

    Theater wie im Rausch.
    * * * * *

    Stefan Gohlisch, NP, 20.01.2014

    Besetzung

  • Othello - Shakespeare / Voima

  • Mass für Mass - Shakespeare

    Späte Gerechtigkeit: Zu Shakespeares Zeiten war es üblich, die Frauenrollen mit Männern zu besetzen - nun hat Regisseur Florian Fiedler den Spieß umgedreht. Nämlich ein munteres Damensextett auf des Dichters Stück Maß für Maß" losgelassen und somit fraglos ein paar Akzentverschiebungen beschworen,(…) Nicht nur dadurch bekam die Premiere im Schauspielhaus einigen Unterhaltungswert. Und der kann bei Shakespeare auch dann nicht schaden, wenn es um ernste Themen geht. In diesem Fall um Macht und Strategien zu ihrer Erhaltung: (…)

    Fiedler hat für diese Verwirrungen eine schöne Balance gefunden, die dem Spiel viel Raum gibt und den überzogenen Klamauk vermeidet. Das Bühnenbild von Maria-Alice Bahra ist ein zweistóckiges Halbrund mit allerlei Türen, die punktuell ein bisschen Slapstick hergeben, und wer immer schon mal wissen wollte, wie zusammen mit einer größeren Topfpflanze unfallfrei eine Kletterstange herunterrutscht, wird in dieser Inszenierung aufgeklärt.

    Räumliche Erweiterungen gibt es durch Live-Videos hinter der Bühne, überwiegend geschmackvoll eingebracht und nicht, wie so oft, Selbstzweck. (…) Da von einer Requisitenschlacht keine Rede sein kann, müssen die sechs Darstellerinnen schon von sich aus was bieten. Das tun sie dann auch durch die Bank. (…)

    Fiedler beschreibt "Maß für Maß" im Programmheft als "krass patriarchalisches Stück", was durch die rein weibliche Besetzung scheinbar aufgehoben und zugleich betont würde. Zwingend vermittelt sich das so zwar nicht, die zwei pausenlosen Stunden bleiben aber interessant, kurzweilig und frei von echten Spannung: löchern. Und wirklich grandios ist der Schluss, der überaus deutlich macht, dass Shakespeares Happy Ends höchst grotesk sein können - Um die Worte „ziemlich bescheuert" zu vermeiden. *****
    Jörg Worat, Neue Presse, 12.01.2015

    Besetzung

  • Anatol - Schnitzler

    “Was ist der Fiedler doch für ein Schlawiner. Minutenlang, während die vier Anatols (Paula Hans, Wiebke Mollenhauer, Torben Kessler, Christoph Pütthoff) vor rotem Vorhang die zum Stück gehörenden Verse Hugo von Hofmannsthals vortragen (,Also spielen wir Theater... Die Komödie unsrer Seele... Böser Dinge hübsche Formel..."), sind sie in geschmackvollen historischen Kostümen (Selina Peyer) zu sehen. Wie nobel die Herren ausstaffiert sind mit ihren Gehstöcken! Wie zeitlupenhaft das Quartett doch, zu sanfter Flötenmusik, im plebsfreien Park (daher der Gipshund) oder Salon (die edlen Stühle) Grußrituale durchspielt! Wie die feinen Fin-de-siècle-Damen sich Luft zufächern oder mit dem Tüchlein Zeichen geben, wie ihre Seigneurs zur wiegenden Reimsprache (,Seht das Wien des Canaletto. ..") Inbilder des Kavaliers verkörpern!

    (…) Dann aber - und das zeigt eben den Schlawiner Fiedler -, dann geht der Bühnenvorhang hoch. Eine Gazé für Projektionen und bald zwei Stoffwände wie Bettlaken erscheinen. Der Teppich: schleimhautfarben gemustert (Bühne: Maria-Alice Bahra). Und Fiedler wirft die Maske ab. Denn von nun an pfeift die Regie aufs Historische und Sublimierte, auf Bildungsästhetik und Psychologie, Form und Sitte. Stattdessen inszeniert der Regisseur die Figuren als Unisex-Chor und einzeln oft zum Publikum gewandt, als kindlich-verspielte, „polymorph perverse" (Freud) Triebbande. Dies alles nicht, ohne „Das Unbewusste!" im Chor zu verspotten, wo immer es vorkommt. Galt Schnitzler nicht stets als der bessere Freud?

    Schon, nur sieht Fiedler wohl nicht ein, weshalb ein zufriedenes Partytier wie Anatol szenisch therapiert gehört. Stattdessen gehen Gipshunde zu Bruch, werden zweckentfremdete Stuhlbeine zu Lustspendern, und die Viererbande umschlingt sich orgiastisch, als wär's eine große „Laokoon" -Parodie. Bockshaare sprießen an Schauspielerbeinen, Hosen rutschen, Hände fummeln, Hinterteile überpflanzen Gesichter, kurz und gut: Die kleine Schar gleicht einer Schule der Delfine oder einer Horde Bonobos, die naiv-paradiesisch an-und miteinander fiedeln.

    Das Ganze ist eine große „Anatol"-Sottise, je untergliedert von Video-Zwischenspielen, worin die Vier sich mal selber lieben, mal vervielfachen und in sich zurückschnurren.

    Eine anarchische Inszenierung (mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen), die ganz aus dem Moment geschaffen scheint und genau darin ihren Witz, ihre Kraft und ihre Grenzen hat.”
    Marcus Hladek, Frankfurter Neue Presse, 25.11.20013

    Besetzung

  • Nibelungen - Hebbel, Wagner ua.

  • Peer Gynt - Ibsen

  • Klein Eyolf - Ibsen

    Großes Glück für "Klein Eyolf". Mit der Premiere von Henrik Ibsens spätem, nur selten gespieltem und daher kaum gekanntem Stück - Uraufführung 1894 -hat das viel zu schmal budgetierte Münchner Volkstheater eine Aufführung, um die sie in dieser Stadt jede üppig subventionierte Bühne beneiden muss. Florian Fiedler, erst 25 Jahre alt, ist der Regisseur.

    Und um es gleich vorweg zu sagen: Seine Inszenierung ist wunderbar genau aus den Figuren heraus entwickelt, sie ist sinnlich, unprätentiös, frei von Eitelkeit, sie hat Herz und Gefühl und ist mit der sparsam und klug eingesetzten Musik zwischen Saint-Saëns' "Karneval der Tiere" und Grönemeyers "Mensch" von intelligenter Modernität. Der Zweifel, ob Ibsen, dieser Dramatiker der spätbürgerlichen Lebenslügen, der Autor der großen Diven des realistischen Theaters, fürs junge Ensemble des Münchner Volkstheaters der Richtige ist, verfliegt sofort mit Beginn des Abends.

    Mit dem Marschbefehl "Links, links, links", der hinter der Bühne zu hören ist. Dann öffnet sich eine der beiden hohen Wohnzimmertüren, und herein marschiert hinkend Klein Eyolf im Tarnanzug. Denn er spielt Soldat, der er einmal werden will, es aber wegen seiner Verkrüppelung nie werden wird. Er salutiert militärisch, singt "Wildgänse rauschen durch die Nacht", markiert martialisch Maschinengewehrsalven und Kanoneneinschlag, kopiert perfekt das, was so ein kleiner, allein gelassener Junge alles an Kriegsspielen im Fernsehen zu sehen bekommt. Wenige Szenen später springt er auf die viel zu hohe Bank und seiner Tante Asta auf den Schoß, weil die ihn mehr zu lieben scheint als Mutter und Vater. Der nämlich hat es sich soeben auf dem gegenüberliegenden Möbel gleichfalls bequem gemacht, auf dem Schoß seiner Frau, die er nach einer Entsagungstour durch die Berge nicht mehr als Frau, sondern als Mutter begehrt, was der, begreiflicherweise, nicht gefällt.
    Aber Eyolf, bei Ibsen der neunjährige Sohn des Ehepaars Allmers, wird hier nicht von einem Kind dargestellt, sondern von Leopold Hornung, einem ausgewachsenen jungen Mann.

    Und es ist eine der staunenswerten Seiten dieser Inszenierung, wie selbstverständlich und glaubwürdig Hornung die rührende Kindlichkeit und Naivität, Traurigkeit und Einsamkeit des Knaben darstellt. Dabei wird nicht auf szenischen Witz verzichtet, wenn Hipp-Gläschen und Buddelsand ins Spiel kommen. Dass Florian Fiedler, anders als bei Ibsen, die Rolle des Eyolf ausbaut, indem er ihn auch noch nach seinem Tod durch Ertrinken immer wieder an die Seite der Eltern stellt, ist eine nur logische Konsequenz. Denn Ibsens Drama erzählt von der vertrackten Dreiecksbeziehung zwischen Alfred Allmers, seiner Frau Rita und seiner Schwester Asta. Wodurch das Stück uns Heutigen jedoch so nah ist und es sich auch für den Volkstheaterspielplan legitimiert, ist die tragische Verlorenheit des Kindes. Eyolf geht an der Liebesunfähigkeit der Großen zugrunde, daran, dass sie alle nur mit dem eigenen Ego beschäftigt sind, mit ihrem verkorksten, eitlen Selbst. Und der Regisseur scheut sich daher nicht, zwischendurch immer wieder frontal das Publikum anzusprechen. Einmal gar schickt er Eyolf langsam hinkend im Eisbärfell durchs Parkett, auf dass die gefrorenen Herzen der Zuschauer schmelzen mögen. Ein Grönemeyer-Zitat zwar, dennoch ein mutiger, sehr berührender Moment.

    Fiedler nimmt, was die übrige Besetzung betrifft, Ibsen beim Wort: Alle Rollen werden von sehr jungen Schauspielern gespielt, und jeder bringt der Regisseur tiefes Verständnis entgegen. Brigitte Hobmeier, die bisher am Volkstheater eine eher schwache Geierwally ist, spielt hier sehr bestimmt, modern und überzeugend die kühle Rita, die durch den Tod des kleinen Sohnes zu einer mitmenschlichen Stärke gelangt. Karsten Dahlem, der die vielleicht schwerste Rolle des Stücks hat, versieht den zwischen zwei Frauen stehenden Alfred Allmers zunächst mit elitär-arroganter Entsagungs-Trotteligkeit. Dem Seelenchaos und Durcheinander der Gefühle, das durch Eyolfs Ertrinken offenbar wird, versucht er vergebens zu entfliehen: Der Schauspieler rast, springt, fällt in einer furiosen Szene gegen die ihn umgebenden Wände der Einsamkeit und der uneingestandenen Liebe zu seiner Halbschwester Asta. Katja Müller gibt dieser Figur geheimnisvolle Verhaltenheit und innere Zerrissenheit. Als sympathischer, forscher Straßenbau-Ingenieur, sozusagen der Kontrapunkt zur lebenslügenden Allmers-Sippe, zeigt Florian Stetter, was er kann. Dann gibt es noch die eigentlich kleine Rolle der Rattenjule, jener geheimnisvollen Märchenfrau, die Eyolf in ihren Bann und schließlich in den Tod zieht. Bei Florian Fiedler wird diese Figur mächtig aufgewertet und damit zur Inkarnation der kindlichen Sehnsucht Eyolfs, zu seiner Verbündeten, die wie er den Tarnanzug des Soldaten trägt und ihm beisteht, wenn er nach seinem Tod unerkannt präsent bleibt. Dass hier keinerlei Sentimentalität aufkommt, dafür sorgt Sophie Wendt mit ihrem herben, klaren Spiel.

    Ungeachtet der einzelnen Leistungen, ist das Beste, was diese Aufführung ausstrahlt, ihre unaufgesetzte, überzeugende, ernsthafte Jugendlichkeit, die das Premierenpublikum immer wieder staunen ließ über die Stärke des Gefühls und den selbstverständlichen hohen moralischen wie ästhetischen Anspruch ans Theater. Das alles spiegelt sich auch in dem inspirierenden Bühnenbild von Maria-Alice Bahra wieder: für den Innenraum der ersten Szenen eine schmale Reliefbühne, deren Rückwand sich in dem Moment öffnet, wenn der soeben ertrunkene Eyolf an Rattenjules Hand noch einmal das Haus verlässt. Jetzt ist die mit weißem Strandsand bedeckte Bühne von rot schimmernden Wänden umschlossen. Hoch oben kleine Luken, durch die die Figuren auf den Fjord hinuntersehen können. Eine Ahnung von Landschaft - der Natur und der Seelen.

    Münchner Merkur, 2.2.2003

  • Kabale und Liebe - Schiller

  • Kasimir und Karoline - Horvath

    Seine Inszenierung am Münchner Volkstheater ist pralle Gegenwart: Weder erstarrt Fiedler in Ehrfurcht noch erklärt er die Vorlage zum Spielplatz den er mit Kippen übersät. Fiedlers Theater ist schnell, pragmatisch, konsequent. Die Striche sitzen, eine bei Horváth bloß erfühlte Schlägerei gibt's live. Und wo sich Fiedler für eine mögliche Aktualisierung des Materials entscheiden muss, entscheidet er sich rigoros. (…)

    „Spaß", leiert einer im Kassenhäuschen der schlichten Bühne ins Mikro, und das klingt wie: „Angst"
    Pünktlich erobern die Alten als Ersatz für Horváths „Abnormitäten"-Kabinett die Bühne. Sie sind tatsächlich Laien aus einem Seniorenheim und rundweg wunderbar. Für Kasimir und Karoline aber sind sie Menetekel: Fiedler hat ein Methusalem-Komplott gegen die Emotions-egoisten geschmiedet. Großes kleines Theater!

    27.09.2004

  • Glaube Liebe Hoffnung - Horvath

    “Der Applaus des Premierenpublikums wird zum Jubel, als Lise Wolle an den Bühnenrand stürmt. Ihr verhaltenes, dann explosives Spiel als Elisabeth in GLAUBE LIEBE HOFFNUNG hat den stärksten Eindruck hinterlassen. Dabei zeigt das Theater Oberhausen zum Spielzeit-Auftakt ein nuanciert gestaltendes Ensemble. Und die strenge Inszenierung Florian Fiedlers macht deutlich: Dem Intendanten ist es ernst. Er sieht Ödön von Horváths „Kleinen Totentanz“ von 1932 ganz gegenwärtig. Eine eindringliche Warnung für uns Heutige”

    Publikumsstimmen:

    https://youtu.be/0hO960aQ7oM?si=-9CUrLIR3HTkJp2I

    BESETZUNG