“Es ist dieser Dreh, der dem fast 60 Jahre alten Stück eine neue Aktualität gibt, die unter die Haut geht.“
Matthias Zehnder, Titelseite Basellandschaftliche Zeitung, 28.3.2015
6x moderne klassiker
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Hase Hase - Coline Serreau
“Coline Serreau zeigt inmitten der Misere eine Anhäufung sonniger Gemüter: Das ist ihre Idee, ihre Moral. Egal, wen man zum Vizevorsitzenden wählt, Hauptsache die Stimmung ist okay und alle halten zusammen und haben sich lieb. Man hat, wenn das Stück nach knapp anderthalb Stunden aus und nicht allzu viel erzählt ist, fast das Gefühl, in diesem Resümee spiegele sich auch die liebenswerte (und heftig beklatschte) Philosophie des Theaters Oberhausen.”
Nachtkritik, Martin Krumbholz 8.12.2019Weder der Text noch die Inszenierung seien glatt geschliffenes Boulevard, "sondern durchaus doppelbödig mit herber politischer Note, was dem Vergnügen an knapp anderthalb rasanten Stunden aber keinen Abbruch tue, schreibt Ralph Wilms in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (9.12.2019). Klaus Zwicks Besetzung als 'Mama' sei ein "wunderbarer Coup".
Publikumsstimmen:
https://youtu.be/ByDQBzON1Io?si=4Kxzv_N_-BxfXBE_ -

Der Besuch der alten Dame - Friedrich Dürrenmatt
“Grandiose Groteske
Wie lässt sich dieses Stück heute, knapp 60 Jahre nach seiner Erstaufführung, auf die Bühne bringen? Wie kann man die Käuflichkeit der Gesellschaft heute noch thematisieren, wo doch jedem klar ist, dass die Geselischaft käuflich ist? Regisseur Florian Fiedler hat es geschafft, indem er die «Alte Dame» in eine groteske Revue verwandelt, kongenial begleitet und untermalt von der Popband Rainer von Vielen.
(…) Dürrenmatt glaubt, anders als Brecht, nicht an die Belehrbarkeit des Menschen durch das Theater. Im besten Fall gelingt es laut Dürrenmatt dem Theater, den Zuschauer zu beunruhigen. Die Inszenierung von Florian Fiedler schafft das mit dem Kniff, die Alte Dame durch eine Kamera zu ersetzen.
Darüber. hinaus bietet der Abend vorallem eins: beste Unterhaltung.”
Matthias Zehnder, 28.03.2015, Badische Zeitung“Florian Fiedler gelingt eine frische und textnahe Version von Dürrenmatts „Besuch der Alten Dame” (…)- wohltuend entstaubt, aber unbeschadet.”
René Zipperlein, 29.03.2015, Der Sonntag,Obgleich Florian Fiedler in seiner etwa 100-minütigen Inszenierung das Geschehen grotesk überzeichnet und selbst vor sehr komischen pantomimischen Einlagen nicht zurückschreckt, ist seine Inszenierung dabei ausgesprochen nah am Text. Weder das Anschreiben der Güllener bei Ill noch die gelben Schuhe, die sich alle plötzlich leisten, wurden vergessen und als Ill versucht zu fliehen und er jedes Mal wieder auf die Güllener trifft und jeder seiner Fluchtwege mitten im Dorf endet und die Kamera seine Verzweiflung groß ins Bild nimmt, lässt dies durchaus Empathie aufkommen. Der Kapitalismus fordert Leichen und schafft sich seine eigene Weltordnung.
Wenn am Ende bei der Gemeindeversammlung die Güllener ihr Ill-Hemd ausziehen und wieder zu Lehrern, Pfarrern und Arzten werden, gibt es kein richtiges Leben im falschen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber für ein viel gespieltes Stück wirkt sie einmal sehr frisch.
Annette Hoffmann, Badische Zeitung, 28.03.2015 -

Nieder Bayern - Martin Sperr
Ihre Träume tragen sie als Luftballons wie Gefängniskugeln an den Füßen. Doch statt die bunten Sehnsuchtsblasen in den Himmel steigen zu lassen. trampeln sich Metzgerin, Totengräber, Tagelöhnerein ihre Hoffnungen lieber gegenseitig kaputt. Man muss sich diesen Himmel über ihrem Dorf Reinöd wohl sehr grau vorstellen. Nomen est Omen. Die Bühne ım Volkstheater ist Ödnis in Reinkultur: ein Gemeindesaal. neonröhren-beleuchtet, schulterhoch holzverkleidet, darüber großflächig gelb gefliest, eingelassen in die Rückwand ein Guckkasten: eine geschmacklos tapezierte Kleinbürgerzelle mit Alpenkitsch-Panoramaposter, das den engen Horizont der Bewohner markiert. Wenn Maria, die hier daheim ist, ihrem geistig behinderten Sohn Rovo erklären soll, was schwul ist, verfällt sie in hilflos-hektisches Wortgestammel, die Sprache versagt vor dem für sie Unbeschreiblichen.
Dass einer wie Abram, der bei Maria wohnt, anders ist als die Mehrheit - in diesem Fall eben: schwul - das können und wollen die Dorf-Bewohner nicht verstehen.
(…) Mobbing’ nennt man das heute. In Sperrs „Jagdszenen" steigert sich das zu brutalen Hetze, die Florian Fiedler in aller Deutlichkeit inszeniert: es wird gesudelt, geschlägert und geblutet - und doch macht der Regisseur klar, dass der blanke Hass vor allem in der Überforderung der Dörfler mit dem Leben wurzelt. Kehrseite ihrer Bosheiten und Abgründe sind ungestillte Sehnsüchte, unbefriedigte Triebe und: ein Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, das sie im Herdentrieb Halt suchen lässt Dieser Beschränktheit setzt Fiedler ein utopisches Bild von schwebender, zerbrechlicher Zartheit entgegen: die spielerisch-schüchternen, ebenso ungestümen wie unbeholfenen Annäherungsversuche zwischen den beiden Jungen Rovo und Abram.
B5-Kultur am Sonntag, 5.10.03 Christoph Leibold“Der Krawall im Vorfeld hat nicht geschadet: Mit einer packenden und effektvollen Sperr-Inszenierung hat das Volkstheater München die Saison eröffnet.
Sympathisch der Trotz, mit dem Volkstheater-Intendant Christian Stückl sein Publikum begrüßte: „Es ist trotzdem a Sperr, auch wenn i's net sagn derf". Recht hat er, denn nach dem skandalum-witterten Vorspiel zu Eröffnung der neuen Spielzeit überzeugte das Haus mit einer ungewöhnlich dichten, spannungsvollen Aufführung.
(…) „Nieder Bayern" nannte dann der junge Regisseur Florian Fiedler (26) seine schlüssige Bearbeitung der Schwulenhatz in Reinöd.(…)
Im Bühnenraum lässt Fiedler an einer entscheidenden Stelle eine Bierkastenwand kippen - eines von vielen effektvollen Bildern zwischen Dramatik und Komik, welche die zweistündige Inszenierung in sensibler Balance hält.
Zwar zieht er mache Szenen überproportional in die Länge, wie den erotischen Kampf zwischen Abram und Rovo, zwar schmerzen Passagen wie Abrams Folter mit Blut und Wurst fast körperlich. Dennoch: Die Wucht der Action, das heftige Wummern des Musikeinsatzes, Brüche und Verfremdungen - sie fügen sich zu einem Theaterabend aus einem Guss, in dem erfahrene Darsteller wie Monika Baumgartner, Monika Manz und Peter Mitterrutzner das restliche, extrem junge Ensemble mit Brigitte Hobmeier und dem kraftvollen Leopold Hornung in der Hauptrolle ideal ergänzen”
BARBARA REITTER Presse 11.10.2003
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Die Physiker
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Ein Blick von der Brücke
“Als Regisseur Florian Fiedler unter Frankfurts Ex-Intendantin Elisabeth Schweeger noch das Schauspiel-Labor "Schmidtstraße 12" leitete, muteten manche Regien an, als wolle er sich stracks in den Himmel schwingen, obwohl die Spielmodelle an diesem Ort mehr Flaum als Flügel hatten. "Ein Blick von der Brücke" zeigt ihn, heute Hausregisseur am Schauspiel Hannover, gereift. Die neunzigminütige Inszenierung im Kammerspiel schließt die psychologische Tragödiendramaturgie auf der Bühne bündig und (reaktionär gesagt) "ohne Mätzchen" auf.
Das Ergebnis gefällt und ist gut genug, um Martin Rentzsch (Eddie) und Henriette Blumenau (Catherine), aber auch Mathis Reinhardt (Rudolpho), Heidi Ecks (Beatrice) und Johannes Kühn (Marco) in Vanessa Eders verfremdet-realistischer Szenerie alle psychologischen Register ziehen zu lassen. (…) Hübsch, wie Fiedler mit Symbolen spielt: der Streit über die "grünen Zitronen" (gemeint sind Limonen) findet sich im Gelb der Wand und Contes Lied, Eddies Kosewort "Madonna" in einer Statuette wieder, mit der er hantiert. (…)
Die Psycho-Tragödie, als unausweichlich konstruiert, schillert antikisierend, und Fiedler bringt sie frei von Umdeutungsfuror, figurennah und schlüssig auf die Bühne.”
Marcus Hladek, Nachtkritik, 7.5.2011Regisseur Florian Fiedler gelinge "eine packende Aufführung, in der die Schauspieler sozusagen Blut und Wasser schwitzen. Sie kämpfen um das Stück, das wirkt, als müssten sie um ihr Leben kämpfen." meint Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau (9.5.2011).
Fiedler vertraue "zu Recht darauf, dass das Stück auch heute noch funktioniert: schreibt Michael Hierholzer in der Rhein-Main-Zeitung der Frankfurter Allgemeinen (9.5.2011). Die "vielen gestischen Details, die der psychologischen Charakterisierung der handelnden Personen dienen", frappierten, und so sei das Ganze ein "Abend reinen Schauspieler-Theaters. Und eine Feier des Millerschen Textes."
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Tod eines Handlungsreisenden
Monika Manz, Katja Müller, Leopold Hornung, Monika Baumgartner, Peter Mitterrutzner, Frederike Schinzler / Foto: Katrin Ribbe