“ein starkes Stück politisches Theater",

Martin Burkert / WDR über “Das Recht des Stärkeren”

“Ein Geniestreich.”

über Lehman Brothers. Dominik Lapp, Kulturfeder

18 x gegenwartsdramatik

Albert Ostermaier - Akin Sipal - Christoph Nussbaumeder - Claudia Tondl - Conor McPherson - Dirk Laucke - Dominik Busch - Fritz Kater - Igor Bauersima - Mario Salazar - Marius von Mayenburg - Peter Stamm - Soeren Voima - Stefano Massini - Wassily Sigarew

  • Das Recht des Stärkeren - Dominik Busch

    Die Schweizer Dokumentarfilmerin Nadja, Tochter des Kohlen-Chefs, reist nach Kolumbien, um die blutigen Bedingungen des Kohleabbaus aufzudecken. Ihren Vater kontaktiert sie zu Beginn lediglich, um ihn in ihren Dokumentarfilm einzubauen. Eine persönliche Note in Form einer zerrütteten Vater-Kind-Beziehung macht sich doch gut im Kunstwerk. Am Ende erhält sie für den Film einen Preis, während ihr kolumbianischer Protagonist Alvaro (Burak Hoffmann) gefoltert wird. Trotz seiner Bitten hat sie den Mordzeugen nicht aus dem Film geschnitten, obwohl das seinen Tod bedeuten könnte.

    „Klug legt Florian Fiedler in Oberhausen den Fokus auf die Medienkritik und die Relativität und Manipulierbarkeit von Wahrheit. An drei Stellen der Nebenspielstätte muss sich das Publikum verteilen, mit Bauplanen labyrinthisch verhängt sind die Durchgänge: Projektionsflächen, hinter denen die Schauspieler mit ihrer Sichtbarkeit spielen,(…) Schön ist das, wie hier auch formal mit den Fallstricken einer vermeintlichen Wahrheitssuche gespielt wird.“  Dorothea Marcus, 7.3.2019 Nachtkritik

    "Eine durch und durch überzeugende Erstaufführung" hat Cornelia Fiedler für die Süddeutsche Zeitung (21.3.2019) gesehen: "Die knappen Dialoge und rhythmischen, poetisch reduzierten Reflexionen inszeniert Schauspielintendant Florian Fiedler als ein dichtes Spiel mit unsicherer Perspektive." Dominik Busch umgehe "die Gefahr des Empörungskitsches", indem er sein Stück mit hinreichend Gegenperspektiven ausstatte. So gelinge ein unterhaltsamer, dichter Abend, der "lange nachhallt, gerade weil er die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat."

    „Jenseits der immer wieder poetisch eingeflochtenen stimmungsmacherischen Anflüge entwickelt der Text in der feinen rhythmischen Diktion des famosen Ensembles einen fiebrigen Groove, mit dem die Diskurse eine enorme Intensität gewinnen, sowohl intellektuell wie emotional", so Jens Fischer in Die Deutsche Bühne (8.3.2019). "Die fragmentarisch schillernde Inszenierung nimmt dem Plot das arg Konstruierte." 

    "'Das Recht des Stärkeren' feiert nicht vordergründig das Gute und brandmarkt das Böse. Dennoch stellt es die Frage nach Schuld und Verantwortung. Oberhausen gelingt ein starkes Stück politisches Theater", so Martin Burkert, WDR (11.3.2019).

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  • Lehman Brothers - Stefano Massini

    “Das Schauspielhaus erzählt in einer fulminanten, vielschichtigen und faszinierenden. Inszenierung von Stefano Massinis Stück „Lehman Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie" die Entwicklung eines aufstrebenden, hypererfolgreichen und letztlich tief fallenden Familienunternehmens und damit auch eine kleine Geschichte des Kapitalismus.

    (…) Gefilmte Bilder sind aber auch im Schauspielhaus zu sehen. Regisseur Florian Fiedler lässt die Inszenierung von Massinis „Lehman Brothers" mit einer grandiosen Idee beginnen: Er dreht live einen Film vom Theaterspiel. Der Zuschauer ist zunächst irritiert: Wohin soll er schauen? Auf die Bühne, auf der die Schauspieler spielen, vor denen aber Kameraleute, Mikrofonhalter und Aufnahmeleiter herumwuseln? Oder auf die große Leinwand, auf der das-soeben Gespielte live übertragen als Schwarz-Weiß-Film in historisierender Schwarz-Weiß-Ästhetik läuft? Das alles ist so detailgenau geplant, dass schnell die Entscheidung für den Film fällt - Die Schauspieler übernehmen mehrere Rollen und agieren auch als Erzähler. Die Begleitmusik wird von Martin Engelbach an diversen Instrumenten live gespielt.

    Der Frühkapitalismus als Kinoerlebnis, lange nicht mehr hat Theater eine soiche Freude bereitet.

    Den zweiten und dritten Teil erlebt der Zuschauer dann weitestgehend ohne mediale Vermittlung. Auffallend ist, dass die Inszenierung die Frühphase der Lehman-Historie im ersten Teil mit modernen Theatermitteln, eben der Videotechnik, darstellt. Im dritten Teil hingegen der von der Weltwirtschaftskrise 1929 bis zur jüngsten Geschichte reicht, greift sie auf eine der ältesten Theaterzutaten zurück - und lässt die Akteure das weitere Geschehen in chorischem Sprechen schildern.

    Bei allen Wechseln in den Darstellungsformen, eine Konstante hat die Inszenierung: Die Bühne dreht sich die gesamte Spielzeit über, wie die Spieluhr, die man Amerika nennt", wie es im Stück heißt. Oder anders gesagt: Money makes the world go round." Und auf dieser Drehscheibe spielen sich die sieben Schauspieler Christian Bayer, Rainer Frank, Carolin Haupt, Silvester von Hösslin, Janko Kahle, Isabel Tetzner Frank Wiegard begeisternd durch die verschiedenen Rollen.

    Wäre das Schauspielhaus ein Aktienuntemehmen. es wäre nach diesem Abend erheblich im Dax gestiegen. Das Publikum zahlte in der einzig wahren Währung der Theaterwelt, mit lang anhaltendem Applaus.”

    Kristian Teetz. HAZ, 17.06.2016

    “(…) „Lehman Brothers“, ein modernes Theaterstück von Stefano Massini, in dem der Aufstieg und Niedergang der gleichnamigen Dynastie erzählt wurde. Ein Geniestreich von Regisseur Florian Fiedler, der eine sehr stimmige und temporeiche Inszenierung entwickelt hatte, die mich von der ersten Sekunde an packte.”
    Dominik Lapp, Kulturfeder, 30.1.2018

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  • Märtyrer - Marius von Mayenburg

    “Voller Brüche ist dieses Stück, schwankt zwischen grotesker Komik und stiller Verzweiflung, harscher Kirchenkritik und stiller Identitätssuche - passend zur gefühisgefluteten Traumzeit der Pubertät.

    Die bildstarke Inszenierung spickt den Stoff mit Gags, Da hallt die Stimme des Priesters wie aus den tiefsten Tiefen einer Kathedrale, zappelt die Mutter wie in elnem Exorzisten-Horror-schinken und schwingt Benjamin mit Affenmaske an einem Seil wie ein wledergeborener Tarzan.

    Glaubt Benjamin all das wirk fich? Ist er bloß ein Provokateur? Oder kanalisiert sich eine Sehnsucht nach einer Vaterfigur?

    Reglsseur Florian Fiedler riskiert es, den Zuschauer so mit mehr Fragen zu entlassen als Antworten. Was beileibe nichts Schlechtes Ist. Man muss sich dem nur stellen.”

    Stefan Gohlisch, NP, 28.04.2014

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  • Nur die Harten kommen in den Garten - Dirk Laucke

    Dirk Laucke macht tatsächlich beides. Auf der einen Seite bildet er sehr luzide die gesellschaftlichen Verwerfungen des Jahres 2015 ab und erzählt ganz lakonisch vom Scheitern nahezu aller Bemühungen seiner Figuren. Auf der anderen schlägt er mit seinen pointierten Dialogen und komödiantischen Zuspitzungen einen überraschend hoffnungsvollen Ton an. Und den greift Regisseur Florian Fiedler dankbar auf. Er setzt in seiner spielerisch leichten Uraufführungsinszenierung vor allem auf die Komik der Szenen wie der (verbalen) Gefechte. (…) Laucke und Fiedler bieten keine politischen und gesellschaftlichen Patentlösungen an. Sie setzen auf die versöhnende Kraft der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. So kann das Ensemble in einem Augenblick den SLIME-Song "Sie wollen wieder schießen dürfen" anstimmen und im nächsten Moment die integrative Kraft der "neuen deutschen Volksmusik" einer "Keliné Fischer" feiern. Punk und Pop harmonisch vereint, auch das muss einem erst einmal gelingen. Sasha Westphal Nachtkritik 3.6.18

    "Ein Stück wie gutes Pfefferminzbonbon: Auch wenn es längst weg ist, kaut man noch eine Weile darauf herum," schreibt Jens Dirksen in der WAZ (4.6. 2018) Dirk Laucke hat aus seiner Sicht "in der Manier eines Ödön von Horvath, fünf Figuren aus Schichtsprache und Hochdeutsch-Witz erzeugt, die der Realität furchtbar nahe kommen, ohne Verwechslungsgefahr aufkommen zu lassen. Dialog-Sätze fliegen dem Publikum um die Ohren, als wär's ein Battle-Rap, und die 80 Minuten rasante Inszenierung des Hausherrn Florian Fiedler im spartanischen Bühnenbild würde auch dann erfrischend jung wirken, wenn die fünf Schauspieler nicht so punktgenau besetzt wären und eine grandios kernige Vorstellung abliefern würden."

    Laucke habe sein Stück "dem jungen, multikulturellen Ensemble gebrauchsfertig in den Mund gelegt". Der Autor habe ein gutes Gehör, "der Jargon seiner Figuren passt perfekt zur Mentalität des Ruhrgebiets und zu dessen lakonischem Humor", schreibt Martin Krumbholz in der Süddeutschen Zeitung (6.6.2018). Florian Fiedler setze auf ein enormes Tempo, seine Methodik verlange den durchtrainierten Schauspielern körperlich eine Menge ab, wobei die Akrobatik nie zum Selbstzweck werde. "Die Fantasie der Zuschauer spielt bei dieser Art Gebrauchstheater eine Hauptrolle. Lösungen werden nicht angeboten, die Konflikte bleiben akut, Glücksmomente sind rar, Verständnis für die Perspektiven der anderen ist mühsam zu erarbeiten."

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  • Simplicissimus - Soeren Voima

    LONGLIST BERLINER THEATERTREFFEN

    “Man sollte meinen, wenn Wolfgang Petry gesungen wird, sei endgültig nichts mehr zu retten. Da stakst nun einer der Soldaten, die eigentlich brandschatzend durch den Dreißigjährigen Krieg ziehen sollen, in Stöckelschuhen über die Bühne und grölt zur "Wahnsinn! Warum schickst du mich in die Hölle?"-Melodie: "Fressen, saufen, huren – huren! huren! huren! Das ist unser Werk auf Erden!" Und wie er so am kahlen hinteren Bühnenrand steht, die Hände beim Singen über den Kopf schlägt und eine imaginäre Meute anfeuert, die ihm nicht antwortet, schleicht sich jenes Gefühl ein, das diesen bitteren Theaterabend von Anfang bis Ende durchdringt: abgrundtiefe Traurigkeit. (…) Übrig bleibt die intensive Studie eines Verfalls, der unausweichlich zu sein scheint und direkt in unsere Gegenwart und ihre militärischen Grundsatzfragen vorstößt. Eine untröstliche Klage über den Verlust der Unschuld, mehr kann und will dieser Abend nicht sein. Es genügt.” André Mumot, nachtkritik, 6.10.

    Eva Behrendt in der Frankfurter Rundschau(7.10.) findet, dass der "Geschichtspessimismus" schon lange nicht mehr so "grausig und lustig verspielt" ausgesehen habe wie hier bei Florian Fiedler und dem "Simplicissimus" von Grimmelshausen/Voima. (…) Dem naiven Helden auf seinem Weg durch ein "postindustrielles" "Schlachtfeld" begegne ein "Panoptikum" "seltsam schriller Fabel-und Zwitterwesen", und am Ende sitze er "wieder allein auf dem Schlachtfeld, vor einer Raviolidose, die er mit dem Schürhaken aufgehackt hat. Als "sein alter Landsknecht-Kumpel Oliver auftaucht, erschießt er ihn, ohne hinzusehen."

    „Am Ende überzeuge „die dunkle, zivilisationskritische" Grundhaltung“. Dass Fiedler nicht das Schelmenstück als solches inszeniert, sondern sich auf die "seelischen Kollateralschäden des Krieges" konzentriert habe: "Wie Simplicissimus, der reine Tor, hier seine Naivität und Unschuld verliert, zielt mit einem finalen Schuss untröstlich in unsere Gegenwart.“ Christine Dössel in der Süddeutschen Zeitung (7.10.)

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  • Feuergesicht - Marius von Mayenburg

    “Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre Eltern mit dem Hammer, und Kurt zündet sich selbst an.

    Eine Begründung gibt es für die Häufung der Krassheiten letztlich nicht; die These von der terroristischen Struktur der klassischen bürgerlichen Kleinfamilie ist eine stehende Größe, als solche unhinterfragbar. Und so sucht Florian Fiedler in seiner Düsseldorfer Inszenierung auch gar nicht erst nach psychologischen Motivketten, sondern nimmt den atem- und szenenübergangslosen Text des Marius von Mayenburg zum Anlass eines dichten Theaterabends, der seine Plausibilität in sich selbst, in seiner ästhetischen Form findet und nicht im psychosozialen Kontext.”

    Martin Krumbholz, theater heute

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  • Scham - Claudia Tondl

  • Die Schimmelmanns / Verfall einer Gesellschaft - Mario Salazar

    "Schimmelmanns" von Mario Salazar "ist keines jener Aufklärungsstücke, die man mit gutem Gewissen verlässt. Man fühlt sich schmutzig, man hat nicht nur über, sondern auch mit den Nazis da oben gelacht", schreibt CorneliaFiedler in der Süddeutschen Zeitung (27.9.2017). Das "etwas statische Stück" erfährt durch den Kontext der Bundestagswahl 2017 in den Augen der Kritikerin eine Aufwertung: "So bizarr Salazars Comedy-Dystopie einer rechten Normalität in Deutschland wirkt: Es bleibt nach dieser Wahl das beängstigende Gefühl, dass sie ein Stück näher gerückt ist."

    Etwas ausführlicher:
    Cornelia Fiedler in Nachtkritik, 30.11.2017

    “(…) versuchen Stücke wie "Die Schimmelmanns" das Phänomen Rechtspopulismus von innen heraus zu erfassen. Sie spielen nicht nur Geschichten von neonazistischen Machtergreifungen durch, sie locken oder zwingen das Publikum direkt hinein in einen Raum des geschlossenen rechten Denkens.

    Salazars Figuren sprechen ohne Skrupel aus, was die Rechtspopulist*innen weder in "Das Prinzip Jago" noch in "Volksverräter" wagen könnten. Dafür ist in deren Setting die Zeit noch nicht reif. "Die Schimmelmanns" dagegen zeigt eine (zumindest in der Uraufführung von Florian Fiedler verzweifelt komische) Dystopie eines Deutschland in naher Zukunft. Nationalsozialismus ist da wieder Alltag und muss sich nicht länger als Besorgnis, Angst oder pseudonaive Heimatliebe tarnen. (…)

    Der Besuch der Uraufführung lässt sich auch als Framing-Experiment am eigenen Leib verstehen: Es gibt, wenn man sich auf die Eigenlogik des Stückes einlässt, kein Entkommen aus den systematisch durchexerzierten Bedrohungs-Szenarien und Hatespeech-Denkmustern. Zudem ist so mancher kognitive Kurzschluss dabei, der einem aus dem eigenen, ach so aufgeklärten Denken durchaus bekannt vorkommt. Beim Zuschauen stellt sich, wenn man es zulässt, genau jene "Angst vor meinen verachtenden Gedanken" ein, die Salazar in seiner persönlichen, quälend ausführlichen Schussrede (in der Uraufführung in Oberhausen gestrichen) schildert: So ziemlich jede*r kann auf Abruf rassistische, homophobe, ausgrenzende Argumentationen vortragen. Wir haben die Denkmuster von klein auf gelernt. Sie sind verführerisch einfach, weil sie auf starke Emotionen wie Angst und Verunsicherung setzten.

    Diese Machtergreifungs-Arbeit wählt einen durchaus streitbaren Weg der theatralen Auseinandersetzung mit dem Rechtsdrift der deutschen Politik. Sie verlässt die kuschelig linke Komfortzone, begibt sich bewusst auf sprachliches Glatteis und führt vor, wie dort scheitert, wer die Framing-Fallen nicht erkennt. Um dem etwas entgegen zu setzen, muss es gelingen, die Panik-Frames, beispielsweise in der Debatte um Flucht und Asyl, zu verlassen und eigene, menschenfreundlichere, aber auch weniger denkfaule Assoziationsrahmen zu etablieren.
    Cornelia Fiedler , Nachtkritik, 30.11.2017

    Besetzung

  • Melodien für Milliarden - Soeren Voima

    “Das Publikum in Hannover bejubelt frenetisch das (durchwegs ausgezeichnet) singende Ensemble und die dazugehörige Band – und vielleicht auch ein paar eigene Erinnerungen.“
    Nikolaus Stenitzer, Nachtkritik 13.10.2012

    "Das Singspiel von Soeren Voima parodiert die Welt der Käuflichkeit", schreibt Gerd Schild in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (15.10.2012). Es gehe um das Bewerten, das Leben als Castingshow. "Dann wieder ein Hit. Eins, zwei, drei, vier und – schwuppdiewupp – das Publikum ist dabei." Der Trockeneisnebel lasse nicht nur die Umbauten verschwinden, sondern auch die Grenze zwischen Bühne und Publikum verschwimmen. Gelungen sei außerdem die Musikauswahl.

    "Melodien für Milliarden" vertreibe "Den Phantomschmerz, den der Wegfall der Wittenbrinck-Abende hinterließ", jubelt Evelyn Beyer in der Neuen Presse (15.10.2012). Der Abend setze auf Einfachheit mit großer Wirkung. Voimas Stück sei ein Glücksfall: "Dialoge, die den Ton der Figuren treffen, viel Hintersinn und anarchischer Witz", Fiedlers Regie "arbeitet alles heraus und bringt die Schauspieler knallig, aber mit Zwischentönen ins Spiel". Ihr Fazit: "Das bitte ab jetzt jede Saison."

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  • Plastilin - Wassilij Siragew

    “Brutal poetisch und poetisch brutal
    Umjubelte Premiere im Malersaal

    Zwei Körper, eng umschlungen und ineinander verhakt, rollen sekundenlang durch den weiten grauen Raum. Aus den Lautsprechern dröhnt aggressiver Rap. Plötzlich hält das Körperknäuel inne, löst sich und zwei Jungen treten auseinander. Der eine, Maxim, steht verschüchtert in der hintersten Ecke des Raumes Der andere, Ljoscha, grinst, zündet sich eine Zigarette an und lehnt sich gelassen zurück: War doch nur Spaß!

    Oder nicht?

    Das Gerangel der beiden in Hass verbundenen Freunde ist so eine Szene, in der das Theater des Florian Fiedler die Trumpfkarte der Sinnlichkeit ausspielt.(…)

    Das größte Highlight des Abends aber ist seine dichte Sprache, die zugleich poetisch brutal brutal poetisch den Zuhörer mitten ins Herz trifft. Da gelangt die Inszenierung zuweilen weit über die Strategie des Betroffenmachens hinaus.”
    K. MÜLLER-ROSELIUS, Die Welt, 8.11.2002

    “Regisseur Florian Fiedler, gerade mal 25 und derzeit vor allem in Basel und München tätig, bricht nach Marthalerschem Vorbild den Fluss der Szenen durch Gesangseinlagen, und schafft so ein zartes, atmosphärisches Gegengewicht, das die brutalen Szenen fies verstärkt.

    In Hamburg wird bereits gewitzelt, dass Schauspielhaus-Intendant Tom Stromberg inzwischen seinen Kindergarten ins Rennen schickt. Stimmt, die Mannschaft für die Produktion, immerhin eine deutschsprachige Erstaufführung, war jung. Aber sie holte für den umstrittenen Theaterleiter ein paar Kastanien aus dem Feuer. „Plastilin" ist die vierte Premiere, aber die erste wirklich interessante Inszenierung dieser Spielzeit.
    Gottfried Krieger Südkurier,
    19. November 2002

    “Florian Fiedler hat ein Stück auf die Bühne gebracht, das absurd ist und trotzdem berührt. Am Ende ist Maksim tot und zwei Frauen machen sich über seine Turnschuhe her. Trotzdem: Es gibt Hoffnung in seinem Stück, versichert Wassilij Sigarew. Aber um die zu sehen, muß man wohl in einer kleinen Stadt im Ural großgeworden sein. Rauschender Beifall.”
    NDR 90,3: Abendjournal 11. Oktober 2002,

    «Plastilin» hat im Hamburger Schauspielhaus am Donnerstagabend eine gelungene Premiere gefeiert. Mit kräftigem Applaus und vereinzelten Bravo-Rufen wurden das eltköpfige Ensemble sowie der Regisseur Florian Fiedler nach der Erstaufführung belohnt.

    Die Inszenierung präsentierte sich geschlossen und gekonnt zugespitzt. Dem 25-jährigen Fiedler ist es gelungen, die immer präsente Gewalt einer sozial kalten Gesellschaft heraus zu arbeiten und den Zuschauern begreifbar zu machen.”
    InNet, 7.11.2002

    “(…) Der Regisseur Florian Fiedler hat dies durch einige kluge Striche und eine zurückhaltende Inszenierung verstärkt. Wenn er die Personengruppen immer mal wieder zu Chören arrangiert, die auf russisch und deutsch kleine spießige Liedchen singen, ist das keine von Christoph Marthaler abgeschaute Masche, sondern der Kitsch ist - wie die Figuren, die Maxim aus Plastilin knetet - Ausdruck der banalen aber berechtigten Träume, die in dieser Wolfswelt auch für Stärksten niemals in Erfüllung gehen werden.

    Das alles, funktioniert auch, weil im Zentrum zwei berührende junge Schauspieler stehen: Nicht nur Patrick Güldenberg als Maxim, sondern auch Markus Reymann als sein verlogener und scheinbar privilegierter Freund Ljocha geben ihren Figuren eine große Zärtlichkeit und machen umso erschütternder fühlbar, was es heißt, ein Kind zu sein in einer Gesellschaft, in der auch die meisten Erwachsenen nur verzweifelte Opfer sind.”
    NDR Radio 3, 11. Oktober 2002,

    Besetzung

  • Mördervariationen - Christoph Nussbaumeder

    “Zwei verschrobene Gestalten erwarten wortkarg am Wegesrand einen ominösen Dritten. Es ist nicht Godot. Schnee liegt in der Schlosserei des Schauspiels Köln, für das Christoph Nußbaumeder das Auftragswerk "Mörder-Variationen" schrieb. (…)

    Im Vergleich zu den letzten beiden Uraufführungen des derzeitigen Hausautors am Mannheimer Nationaltheater, (…) könnte man fast von Handlungsarmut sprechen, würde sie sein Repertoire nicht wesentlich bereichern. Die überbordenden szenische Dichte ist diesmal einer reduzierten wie rhythmischen strukturierten Erzählweise gewichen, die Regisseur Florian Fiedler sensibel begleitet.

    Durch ein gelungen umgesetztes Geflecht an Ruhe, Gedanke und Pointe, entwickeln wir schnell Sympathie mit den versagenden Kapitalverbrechern, die uns (geschickt gemacht) als Muttermörder und Vergewaltiger doch wieder grausen.

    (…) Das sind kluge Grundgedanken, die man gerne auf dem Theater sieht, aber in Köln so tun, als seien sie von Anfang an für alle und jeden unvorbereiteten Zuschauer offen lesbar gewesen.
    (…) Wie nah aber Florian Fiedler bei Nußbaumeder ist und just auf jene Verhedderung auch inszenatorisch mit einem finalen Hektikanflug reagiert nimmt diesem Wermutstropfen jede Bitterkeit.

    Ralf-Carl Langhals, Nachtkritik, 10.05.2008

    Besetzung

  • Der Kuss des Kohaku - Peter Stamm

    “Der 26-jährige Florin Fiedler hat "Der Kuss des Kohaku" uraufgeführt, und unter seiner Regie ist im Malersaal etwas entstanden, das man als Glücksfall bezeichnen kann.

    Es ist ein starker Text mit rasanten wie radikalen Dialogen, die ihren Witz auf der Bühne entfalten, wenn die Schauspieler die Widerhaken ihrer Figuren auswerfen, wenn die Regie sich der Kunstfertigkeit des Textes, der sich auf eine merkwürdige Weise dem Spiel verweigert, selbstbewusst, aber irritiert nähert. Eine Stunden und zehn Minuten dauert das Spiel der vier (Sylvester Groth, Maja Schöne, Bjarne Mädel und Lisa-Marie Janke) um Fisch, Luft und Liebe. Die Szenen werden durch kurze Blacks und beschwingte Streicherklänge aus dem Off (Musik: Lieven Brunckhorst) portioniert, was wie ein Aufatmen, ein Moment des Luftholens ist, und die Musik steht dabei in einem irritierenden Gegensatz zur Schwere der beiden Paare, die nicht wissen, was man tut, wenn man sich liebt. (…)

    Dem Text wohnt nicht nur eine subtile Komik inne, sondern auch eine artifizielle Distanzierung von den eigenen Sätzen. Peter Stamms Text ist zugleich todernst und in höchstem Maße selbstironisch. Das raut die klassisch angelegte Paarkonstellation auf und zwingt zu stilisiertem Spiel, um nicht Oberflächen zu bedienen. Wunderbare Schauspieler also, (…) Bei Maja Schöne ist zum ersten Mal zu ahnen, dass eine große Dame des Schauspiels in ihr steckt.”

    Hella Kemper, Die Welt, 3.5.2004

    “"Der Kuss des Kohaku" von Peter Stamm wurde im Malersaal von Florian Fiedler uraufgeführt. Die Inszenierung wird in Kooperation von Thalia und Schauspielhaus im Programm der Autorentheatertage gezeigt. Das spannungsvolle Sprachspiel über die Fragen der Liebe ist voll feinsinnigen Humors.

    Fiedler stellt eine Versuchsanordnung her. Keine Geste, kein Wort gehen verloren in der feinfühlige Inszenierung und dem ironisch pointierten Spiel der ungleichen Paare. Stamms Stück ist wie Kammermusik für vier Stimmen, mit wiederkehrenden Motiven und Themen in Rondoform komponiert.

    In der Liebe und im Leben umkreisen wir stets dieselben Fra-gen, ohne dass sich Antworten oder Lösungen fänden. Bei ihrer Suche sind die Figuren gefangen - wie der nach Luft schnappende Fisch im Plastikbeutel.

    Die Motive des Textes setzen Regisseur und Spieler unaufdringlich ins Bild. Maja Schöne - in ihrer bisher überzeugendsten Leistung als Sandra - liegt einmal auf dem Boden: eine gestrandete Nixe. Sie will zurück in die Freiheit des nassen Elements und vermags doch nicht. Die Widersprüche von Denken und Fühlen zeigt auch Sylvester Groth, der sich spontan mit Monika (Lisa-Marie Janke) einlässt. Um den Kreis zu schließen? Deren Freund Günter (Bjarne Mädel) war früher mit Sandra liert, die ihn mit Michael betrog. Nur den Dingen ist zu trauen.

    Klaus Witzling, Hamburger Abendblatt, Mai 2004

    Besetzung

  • Fish & Chips - Conor McPherson

  • zeit zu lieben zeit zu sterben - Fritz Kater

  • norway.today - Igor Bauersima

    “In einer überraschend eigenwilligen, fast unerträglich starken Interpretation von Florian Fiedler erlebte am Samstagabend “norway.today“ (…) seine schweizerische Erstaufführung. (…)

    Was an dem Abend Power hat, ist jedenfalls nicht so Bauersimas Text, (…) dem die Streichungen nur gute getan haben, sondern das Spiel dieser beiden Protagonisten, die unter der Führung eines Regisseurs, der sie an die Grenzen des physisch und psychisch verkraftbaren stösst, jegliche Distanz aufgeben und so jenes Existenzielle, Ultimative, das Bauersima mit seinem Stück angepeilt hat, ganz unverhüllt und unmittelbar nachvollziehbar, haarscharf an der eigentlichen Story vorbei auf die Bühne stellen.
    Ob aus Begeisterung über die geglückte Umdeutung oder aus Erleichterung, der Tortur dieser unerträglich starken Aufführung endlich entronnen zu sein: Jedenfalls brach das Publikum am Ende in frenetischen, lang anhaltenden Beifall aus.“
    Charles Linsmayer, Der Bund, 18.03.2002

    Besetzung

  • Kohlenstaub und Bühnennebel - Akın Emanuel Şipal

    Das Theater Oberhausen wird 101. Der Intendant beauftragt eine Gruppe hartgesottener Theaterfreund:innen damit, anlässlich des Jubiläums ein Stück auf die Bühne zu bringen. Die Freude ist groß, die Fragezeichen sind noch größer: Wer darf Regie führen und wie? Was ist wichtiger, die Kunst oder eine entspannte Probenatmosphäre? Warum ist die Autorin des Stücks eigentlich aus Gelsenkirchen und nicht aus Oberhausen? Wer ist der Tenor aus dem Weinfass und was sagt das alte Theater selbst dazu?
    Diverse Hausgeister aus der Theatervergangenheit machen den Theaterfreund:innen zu schaffen und natürlich die Frage, für wen das Stück gemacht wird, für wen es gemacht sein sollte: für das Publikum der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft? Zwischen Ruhrgebietskomödie und Diskurssatire erzählt Kohlenstaub und Bühnennebel die brüchige Geschichte einer Institution im Dienst der Kunst – vor dem Hintergrund der Geschichte des Ruhrgebiets der letzten 100 Jahre. Im Spiegel der Geschichte des Theaters erscheint diese als bodenlose Identitätssuche.

    Besetzung

  • Die Probe - Lukas Bärfuss

    “Florian Fiedler und seinen Schauspielern glückte eine ungewöhnlich souveräne Inszenierung.“
    NDR Info 27.März 2007

    “Florian Fiedler beherrscht schon ziemlich Virtus die modernen gewordene Erzählweise der neuen Schlichtheit. Das hat seine Vorzüge: klares, wohldurchdachtes Spiel, absolute Verständlichkeit des Geschehens. Stilsicheres Wandern zwischen den Welten des Realen und Surrealen, der zuckersüßen Ironie und des bitteren ernstes. Fiedler hat alles vorbildlich und preisverdächtig im Griff..“
    Christine Adam, Neue Osnabrücker Zeitung, 26. März 2007

    Besetzung

  • 99 Grad - Albert Ostermeier